29.Januar 2021

Es soll ja Menschen geben, die leiden an Krankheiten und müssen dann behandelt werden, damit sie Heilung erfahren, heil werden. Krankheit wird definiert als Störung der Lebensvorgänge mit einhergehenden Veränderungen. Niemand will das und das soll weg! Der Mensch gilt als gestört, körperlich oder seelisch. Krankheit ist wie eine heiße Kartoffel. Schnell weg damit, denn Krankheit gilt als nicht normal, der Norm entsprechend.

Bricht eine Krankheit aus, sieht man Symptome und dafür gibt es Mittelchen. Wir leiden an den Symptomen und was streng genommen weg muss, sind die Symptome! Wir wäre es, du bezeichnest diese nicht als „schlecht, quälend, behandlungsbedürftig“, sondern gehst davon aus, dass das schon die Heilungskrise ist?! Krise bedeutet ja Höhepunkt, Wendepunkt. Du könntest dir auf die Schultern klopfen und sagen: Ist schon fast vorbei! Es dreht sich, das Blatt wendet sich. Nix wegmachen!

Bleibt die Frage nach der Ursache. Die lässt sich viel einfacher stellen, wenn man es genau so sieht, wenn man eine Krise annimmt. Sehe ich Krankheit als Hilfe zur Selbsthilfe, dann wird es richtig interessant.

Wir haben hier ein Problem. Wir stecken ganz viel Geld ins Wegmachen und erkennen so nicht die Ursache all unserer Krisen. Wir wollen unbedingt in den Ausgangszustand einer vermeintlich besseren Welt zurück, als wir uns und alles um uns herum noch für gesund hielten. Das soll wieder her, unbedingt.

Es soll ja Menschen geben, die sind traumatisiert. Es gibt zum Beispiel Identitätstrauma, Entwicklungstrauma, Bindungstrauma. Die, so meinen wir, müssen unbedingt behandelt werden. Das mag auf einer Ebene ja auch stimmen, denn so etwas fühlt sich nicht gut an. Wie wäre es denn, wir überlegten einmal, woher das überhaupt kommt UND nähmen an, das diese Menschen, die das fühlen, also ihre Traumatisierungen, wichtige Informationsträger, Botschafter seien?! Denn in einer gesunden Gesellschaft dürfte es die doch gar nicht geben, oder? Das gilt im übrigen für alle Krankheiten. Diese Menschen machen Löcher in eine Fassade. Löcher, durch die das Licht scheinen kann. Und es gibt nur ein Problem: wir wollen uns das nicht ansehen. Wir meinen, wir seien davon nicht betroffen und die anderen, also die, die so etwas bekommen, seien schwach, arm dran. Wenn diese Menschen das glauben, dann wird es sich leider auch erfüllen.

Dabei wäre das eine Lösung! Sehr, sehr naheliegend. Und genau das soll nicht erkannt werden. Du meinst, du hättest eine Identität? Du glaubst, du hättest dich gut entwickelt und wärst gut angebunden und traumatisiert sind nur die anderen? Du glaubst, du hättest dir etwas aufgebaut und seist selbstständig? Vielleicht glaubst du auch, du seist frei und unabhängig?

Ja, so glauben es viele und haben sich mächtig angestrengt. Sitzen in Immobilien (das Gegenteil wäre mobil) und hängen am Tropf. Sie glauben, sie hätten sich etwas aufgebaut und seien im Vollbesitz ihrer Kraft.

Wenn sie dir das alles wegnehmen, was bleibt dann von deiner Identität?

Und nach 50jähriger Erfahrung kann ich dir eins sagen: Sie werden dir nicht helfen. Hilfe wird bedeuten, dass du irgend so ein Almosen bekommen wirst und daran hängt eine Bedingung. Und weil die meisten abhängig sind, werden sie ein Konstrukt eingehen wollen, das ihnen nicht gut tun wird, das ihnen schadet. Ja, wir sollten unbedingt über Abhängigkeit reden, dependente Persönlichkeit heißt es in schlau, und Sucht! Sucht nach ANGST (Angenommene Negative Gedanken Seien Tatsache) zum Beispiel.

Und ihr lieben Therapeuten (ich meine hier nicht alle), die ihr fleißig am Wegheilen seit, überlegt noch einmal ganz genau, was ihr dort eigentlich tut. Und dieses systemtreue Psychologisieren von Individuen muss unbedingt aufhören. Ja, ihr seid doch selbst betroffen. Wir alle sind mit im Boot und hacken uns gegenseitig die Augen aus. Wie bescheuert ist das?

Ihr müsst alles auf den richtigen Absender kanalisieren. Zusammen. Friedlich. Vielleicht muss man euch aber vorher einmal alles wegnehmen, damit ihr das nachvollziehen könnt? Manchmal ist das so und es ist sehr schmerzhaft. Denk dran: das ist die Heilungskrise!

Richtig fertig macht einen auch die Wahrheit. Das tut weh!

PS Ich bin kein Schwarzmaler.

One thought on “ANGST

  1. Ja, so empfinde und betrachte ich es auch. Was für ein tolles Bild- An deinem Text mag ich, dass Du Fragen stellst, Dir fragen stellst – in Frage stellst.

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