18. September 2020

Der Labbi-Mischling läuft unangeleint durch das Naherholungsgebiet. Am Ende des Weges noch ein Hund, auch freilaufend. In mir der Gedanke: Ist also kein Problem. Für meinen Hund gibt es nichts schöneres als den Kontakt zu Seinesgleichen. Er sieht den anderen Hund und hört mich nicht rufen. Der Mann, Hundebesitzer, empört sich: Leinen Sie ihren Hund an! Er ist wütend, aufgebracht. Warum, so frage ich, ihr Hund läuft doch auch unangeleint? Warum, so frage ich, sind Sie jetzt so aggressiv? Und beim Aussprechen ist schon der Gedanke in mir: falscher Fehler! Mittlerweile knurrt der Terrier und wir stehen auf großem Abstand. Mittlerweile brüllt er und donnert im Wald, fuchsteufelswild.

Ich lasse den Verstand mit all seinen Gedanken los und der vermeintlichen Rechthaberei, Sucherei und Besserwisserei und überhaupt. Ich rufe: In mir ist ein Gefühl von Aggressivität! Wie fühlen Sie sich jetzt?

Jetzt habe ich etwas gesagt, die Welt hält den Atem an. Das ist ganz eindeutig wahrnehmbar und dem Mann verschlägt es die Sprache. Wir stehen uns gegenüber, wie in einem Western und gucken einander an. Zeit dehnt sich aus. Ich frage nochmal: Wie fühlen Sie sich?

Er hebt den Arm und schleudert mir entgegen: Ach, lassen Sie mich doch mit Ihrem Scheiß in Ruhe! und dabei macht dieser Arm seine Gestik, die man zu tun pflegt, wenn man etwas zugeworfenes wie ein Stück Dreck zurückwirft. Er dreht sich um, es donnert: ich habe doch keinen Bock mich von  hinterherlaufenden Hunden verfolgen zu lassen!

In mir ist das Gefühl von Traurigkeit und der Gedanke: Es ist die größte Tragik der Menschen die Angst vor Verbindung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.