10. Juni 2020

Ich schrecke hoch. Plötzlich sitzt du da, neben meinem Bett und im Dämmerlicht erkenne ich einen sehr massigen Körper, über und über mit dicker Haut. Sie wölbt sich und hängt vom Gewicht wellig an dir. Mir kommt das Michelin Männchen in den Sinn.

Es ginge dir nicht so gut, sagst du. Es sei beschwerlich und es störe dich jetzt. Lange Zeit hättest du es gar nicht bemerkt, aber so langsam schwane dir, da geht doch etwas nicht mit rechten Dingen zu! Oder? Du hättest auch mal so rumgeschaut, bei den anderen. Viele seien ja auch so unterwegs und zuerst sei es dir ja auch nur an den anderen Menschen aufgefallen! Es hätte dann ein bisschen gedauert und beim prüfenden Blick in den Spiegel, sei dir bewusst geworden: Ich bin ja auch so!

Ich nicke mitfühlend.

Irgendwas stimmt doch da nicht, sagst du jetzt schon etwas sicherer. So sei doch kein Leben möglich, so abgetrennt. Ich kann mich noch an andere Zeiten erinnern, da war das nicht so, sagt deine Stimme. So käme ja gar nichts mehr so richtig an dich heran.

Wir schauen uns in die Augen. Deine sind recht klein und dein Blick ist durch Hautlappen eingeengt.

Du hockst dich hin und hältst deinen schweren Kopf, sichtlich abgekämpft, kurzatmig. Was kann man denn da tun? fragst du.

Ich überlege, zögere und schelmisch sage ich: Ach, weißt du, dafür gibt es bestimmt bald eine Impfung! Lachend sehe ich dich an, hoffend, dass deine Stimmung kippt.

Deine Augen werden größer und ich weiß nicht, ob du es verstanden hast.

Nein, sage ich ernst, das war jetzt auch nur so dahin gesagt.

So die eine Lösung gibt es da wohl nicht, sage ich bedacht und deutlich. Zuerst einmal sei es gut, dass man das ja bemerke und dann hilft bestimmt auch ein warmes Bad in angenehmer Atmosphäre. Dann brauche es viel Mut und Vertrauen und ganz wichtig: den ersten Schritt tun. Alles andere kommt dann, ganz von allein. Wichtig ist der Wille und ein Wofür.

Knochenerweichung und Hornhaut MixedMedia 50 x 60 auf Papier

War das real oder habe ich alles nur geträumt?

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