14.November 2020

Vor Wochen nahm ich einen harten Kern, säuberte ihn und brach die Schale mit einem scharfen Messer. Ich entfernte diese Schale und hielt einen schutzlosen Samen in meinen Händen. Diesen wickelte ich in ein feuchtes Papier, legte ihn in eine Plastiktüte und wickelte nochmals ein Tuch darum.

Weg vom Fenster, rauf auf die warme Heizung, der Dunkelheit preisgegeben. Dort lag er lange Zeit, warm und weich gebettet und brütete vor sich hin, im eigenen Saft.

Geduld, mein Freund.

Nach langer Zeit, neugierig, schaute ich einmal nach. Bestandsaufnahme. Ich entwickelte und siehe da! Still und heimlich ward in der Abgeschiedenheit der Kern gespalten und es dauerte noch mal seine Zeit, bis sich ein kleiner Keim zeigte.

Geduld, mein Freund.

Mit viel Hingabe zeigte sich dann nach Wochen und in stiller Verborgenheit eine Wurzel!

Jetzt ging es ins Licht! Der empfindliche Keimling bekam eine neue Wirkungsstätte, ein mit Wasser gefülltes Keimglas an einem sonnigen Platz. Dort wächst er unaufhörlich. Die Wurzeln sind kräftig geworden, verzweigen sich und bilden Knotenpunkte. Der Trieb, recht kräftig, trägt weit oben zarte, grüne Blätter, die sich langsam öffnen werden, zur Photosynthese bereit. Manchmal drehe ich das Glas, denn es geht immer zum Licht, reckt und biegt sich, unaufhaltsam.

Es passiert, was passieren soll. Es ist Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will. Ehrfurcht, Hingabe, Wasser, Wärme und Geduld. Mehr braucht es nicht.

So wächst es leise vor sich hin und der ganze Lärm im Außen ist nicht beachtenswert.

Ein Baum, der fällt, macht mehr Lärm, als ein Wald der wächst.

Zitat aus Tibet

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.