26. Juni 1984

Spielend sitzt das Kind im Sandkasten, versunken. Es beobachtet ängstlich eine Hummel, die in ein Erdloch fliegt. Spontan entscheidet sich das Kind für Sicherheit und verschließt das Erdloch mit einem Sieb. Später ruft der hungrige, knochenerweichte Vater zum Abendbrot und ermahnt das Kind zur Ordnung. Alles wird weggeräumt und die eingesperrte Hummel antwortet mit einem Stich.

Schreiend und weinend liegt das Kind im Ehebett der Mutter, eine Kriegswitwe. Es sieht nur noch auf einem Auge und reagiert panisch. Die Mutter im Hosenanzug, geschäftig, zwischen den Stühlen, das Abendbrot brennt an!, legt hektisch tröstend ein Stück Schokolade auf das brennende Auge. Eilig verlässt sie das aufgebrachte, schluchzende Kind und dieses sinkt selig, schokoladenschwer, in einen süßen Halbschlaf.

45 Jahre später ist hartarbeitender Mensch am Boden zerstört und schaut auf einen Scherbenhaufen. Er hält den Kopf ängstlich zwischen den Händen, sich selbst der Heimat entfremdet, und weiß weder ein noch aus. Die zittrige Mutter eilt zum Nachttisch der Schlafstätte und zaubert einen dicken, frischgedruckten Geldstapel hervor. Selig sinkt der Mensch in einen süßen Halbschlaf. Mutti ist die Beste! Das muss Liebe sein.

Erzeugung von Apathie, 3/5

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