19. Juni 2020

Für eine Arbeit benötige ich Altpapier und greife in den Stapel. Ich ziehe eine Zeitung heraus, schon in die Jahre gekommen und mein Blick fällt zielsicher auf eine kleine Meldung. Darin beschwerst du dich über die Verhältnisse in deinem Quartier. Dreckig, laut und voller Exzesse. Du stellst Forderungen und niemand hilft.

Ich schlucke und bin auch beschämt. Staunend sitze ich dort und erfreue mich. Nicht an der Situation, sondern an der Erkenntnis. Wie leicht es mittlerweile ist und einfach.

Wir waren damals in einer Clique. Leichtsinnig, wild, laut, lärmend. Anwohner beschwerten sich über nächtliche Ruhestörung, den Müll. Diese Jugend! riefen sie uns hinterher und wir riefen zurück: Spießer!

Zwei Kinder spielen auf der Straße. Plötzlich entbrennt ein Streit. Eines hebt an, klagt an, voller Vorwürfe. Das andere stellt sich breitbeinig dem entgegen, hebt die Hand und ruft: Spiegel! Ätsch, selber. Ätsch, selber zurück! antwortet es trotzig.

Ich lache. Wie einfach es ist und wie unmittelbar.

Ich bin selbst alles was ist. Ausnahmslos.

Beim Spaziergang komme ich an einem Haufen Steine vorbei. Irgendjemand hat wieder die Straße aufgerissen und verlegt schon wieder eine neues Rohr. Andauernd gehen die kaputt oder werden zu klein, manchmal haben sie ein Leck oder müssen gewartet werden. Da tun sich Abgründe auf und ich schaue einmal hinein. Die Steine beachte ich nicht und gehe daran vorbei. Ich weiß, sie liegen sehr schwer in der Hand.

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