09.März 2021

Tagebucheintrag einer Fastenden. Seit Jahren keine Glotze, kein Radio und nun keine Informationen mehr.

In letzter Zeit habe ich viele Erinnerungen an meine Kindheit. In einer liege ich im Sommer im kniehohen Gras mit dem Rücken auf dem Boden. Die Erde drückt sich in mich hinein und sie trägt. Schaue ich nach rechts, so sehe ich lange Halme und beobachte einen Marienkäfer wie in Zeitlupe. Ich höre das Schrappen der kleine Beine, die haltsuchend tasten. Rot mit schwarzen Punkten. Ich sehe alles sehr deutlich und kann fokussieren. Die kleinen Fühler, der Kopf und die Fruchtstände der sich im Wind bewegenden Gräser. Ich nehme auch die Farben sehr deutlich wahr. Die Große möchte es jetzt genau definieren, beschreiben und ich lasse sie nicht. Warum will sie das tun? Ich liege einfach nur so da, ohne Zeit, in einem Kosmos und beobachte. Wolken über mir und ich rate. Dinosaurier, Comicfiguren, Tiere. Ich male sie in den Himmel. Ich könnt hier immer liegen.

Hier im Wald, mitten im Naherholungsgebiet, hat einer eine große elektronische Werbetafel installiert, die mir sagt, wie das aktuelle Wetter ist. Temperatur, Niederschlag, Bewölkungsgrad. Dann der Hinweis, man solle Abstand halten.

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