19.Februar 2021

Beim Spaziergang treffe ich eine Hundebesitzerin mit einem wunderschönen, lebendigen Hund und unsere Hunde laufen um die Wette. Wenn es gute Laune bei Tieren gibt, dann bei ihrem Hund. Es macht Spaß die Hunde zu beobachten. Plötzlich wird ein Stock gefunden! Der Hund ist stolz und rennt mit seiner Beute umher, meiner hinterher. So ist das Spiel. Sie: „Nee, nee! Das gibt es nicht!!“ und versucht dem Hund den Stock wegzunehmen. Und das ist nicht leicht. Ich spüre Irritation, dann Traurigkeit während sie hinter diesem lebendigen Hund herläuft, dann Wut. Was macht die da? denke ich und verstehe nur Bahnhof. Die ganze Aktion dauert eine Weile bis der Hund seiner Beute beraubt und ich die Lösung präsentiert bekomme. „Ich kenne Leute, die haben einen Hund und der hat sich den Stock in den Hals gerammt und dabei wurde die Speiseröhre zerfetzt. Musste operiert werden und der darf wahrscheinlich sein ganzes Leben nur noch pürriertes Essen zu sich nehmen!“, erklärt mir die stöckchenhaltende Besitzerin. Jetzt spüre ich Angst.

Zuhause lasse ich es Revue passieren und denke auch an die andere Geschichte einer Erzählung. In dieser hat sich der im Wald tobende Hund einen Stock in Augennähe gerammt. Schrecklich und blutig. Dann lasse ich einmal den alten Verstand von der Leine

Unfälle passieren. So ist das Leben. Das Gefühl dazu ist schrecklich. Das will keiner erleben. Angst stellt sich davor. Es heißt auch: ich habe Angst vor etwas. Und der alte Verstand empfiehlt Hund an die Leine, toben im Wald verboten, Stöcken spielen verboten. Der Verstand ist nicht doof, denn er weiß, es kann trotzdem etwas passieren. Er empfiehlt zusätzlichen Schutz und Vorsorge! Hundetraining, Versicherung!

Stopp!

Zum Schluss kommt, das will ich noch sagen, der Hundetherapeut.

Stopp!

Ich bin dankbar für die Pause! Es gab im oben genannten Fall eine Pause zwischen meinem Gefühl und der Angst. Es ist in Wirklichkeit rein gar nichts passiert. Es wurde nur eine Geschichte erzählt, eine Möglichkeit von sehr, sehr vielen. Ich sah kein Opfer, eher einen Täter.

Ich entscheide mich für das Leben. Früher war das nicht immer so. Leben heißt fühlen. Es geht darum, nur darum im Leben. Angst ist kein Gefühl, sondern eine Vor-stellung. Wir haben Angst vor einem schrecklichem Gefühl. Das wollen wir nicht fühlen, lieber verdrängen. Ein Gefühl ist Herzrasen, weiche Knie, Beklemmung in der Brust, Schweißausbrüche, Unruhe, kalte Hände. Angst ist ein Gedanke, der eingeredet wird. Vielleicht ist dir einmal etwas ganz schlimmes passiert und du hast in dieser Angelegenheit reagiert! In solchen Situationen denken wir nicht, wir handeln. Es sei denn, wir haben es verlernt. Manche Situationen waren so grenzüberschreitend und wir noch so klein und so empfindlich, dass wir uns lieber in die Angst flüchten als zu fühlen.

Jetzt sind wir so programmiert. GefühlAngstHandlung. Geht unheimlich schnell. Das läuft im Backoffice. Und es braucht nur einer davon reden und ohne Pause, ohne Komma geht´s voran.

Ich weiß nicht, was zuerst da war: das Huhn oder das Ei? Ist aber auch egal. Auf jeden Fall hat diese Vor-stellung, also die Angst, sehr viel ins Leben gerufen, das ich jetzt loslassen kann. Ich stoße. Ich stoße ab. All den unnützen Ballast. Ganze Industrien, Einrichtungen, Behörden, Institutionen, Systeme haben wir so erschaffen. Vieles nur für eine vermeintliche Sicherheit. Vieles eine Konstruktion. Eine Vorstellung in höchster Vollendung. Schattentheater.

So will ich nicht mehr leben. Freude wiegt viel mehr, sehr viel mehr.

Hunde, die bellen, beißen nicht.

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