28.Januar 2021

Ich mag es nicht, wenn man mir etwas verkaufen möchte und zwar eindringlich. Beim Zahnarzt kürzlich, ich war freiwillig da, ist mir das passiert. Ich wurde mehrfach gefragt, ob man einen Termin zur Zahnreinigung machen dürfe. Sehr freundlich wohlgemerkt und mit allen Umgarnungen (es sei doch schon etwas länger her und es sei jetzt ein guter Zeitpunkt), das ganze Register halt. Nichts davon ist gelogen und ich kam ins Wanken und ich stimmte zu. In mir konnte ich den Teil beobachten, der sich übergangen fühlte, denn er ist davon nicht überzeugt. In mir ist auch ein Teil, der sagte, es ist jetzt wirklich schon etwas länger her, es schadet doch nicht, stell dich nicht so an, wenn´s schön macht, usw.

Zum Termin, im Behandlungsstuhl sitzend, werde ich gebeten mit einer chemischen Lösung zu gurgeln. Diese sei jetzt von Nöten, da „Codewort“ und sie töte halt die schlimmen Dings ab im Mund. Und das ist genau das Stichwort, wo sich in mir der Teil erhebt, laut „NEIN!“ sagt und dass das jetzt zu weit geht. Er will das nicht! Er glaubt nicht, ja, er ist davon sogar nicht überzeugt. Er weiß und er findet alles in sich genau richtig und hier wird nichts weggemordet. So sieht er das. Ich beobachte live und bewusst einen Konflikt und das ist sehr spannend! All die Glaubenssätze in dem System kommen auf den Plan! Meine individuellen, über Jahrzehnte gut eingespeist und bei vielen sind die Absender auch gleich präsent. Ach, denke ich, schau mal einer an. Nach außen ertönt ein „Nein und wenn ich das nicht will?“. Mein Versuch, ein zögerlicher, wird mit hochgezogenen Augenbrauen dokumentiert. Sie sitzt über mir. Ich liege ja fast in der Waagerechten und das wird mir auch sehr bewusst. Na, sagt sie, das sei jetzt halt Pflicht und man müsse das jetzt so tun. Meine Lieblingsworte! In mir tönt einer: Du hast den Termin gemacht und jetzt musst du halt da durch! Selber schuld! Das hast du dir jetzt eingebrockt. Und was passiert, wenn du jetzt abbrichst?! Und Gedanken malen. Nichts gutes. Ich knicke ein und in mir schreit es laut auf. Meine Hand nimmt den Plastikbecher, Einweg, setzt an, nimmt einen kleinen Schluck. „Jetzt müssen Sie in etwa 45 Sekunden fleißig gurgeln und im Mund behalten“ sagt sie freundlich und ich hab es schon wieder ausgespuckt! Sie ist enttäuscht und gibt das zum Ausdruck und jetzt beobachte ich daraufhin den Teil, der denkt: Du blöde Kuh! Du zwingst mich, du überredest mich und jetzt bist du immer noch nicht zu frieden! Was für ein Scheiß!! Und ich bin sauer, so was von.

Ach, sagt der Beobachter, das ist interessant! Stimmt das? Und, nein!, es stimmt nicht. Ich weiß ganz genau, denn ich habe meine Einwilligung gegeben. Ein Teil in mir ist ein Verräter, nicht die freundliche Zahnreinigungsassistentin. Nein, die macht nur ihren Job. Freundlich und bestimmt. Ein Teil in mir hat sich selbst verraten. Mein Selbst, Seele, freier Wille. Und dann kommen die ganzen schlauen spirituellen Therapeutensprüche aus dem OFF. Ich kann es live und bewusst beobachten. All die Weisen und Klugen sind da und wollen mir sagen, wie es geht und das ich an meiner Einstellung an allem arbeiten muss. Ja, ja, sage ich. Ihr habt unheimlich gut reden, so aus der Ferne. Letztendlich sitze ich als Individuum hier und entscheide, ob ich etwas schlucken will oder nicht! Ihr seid nur Sprüche. Es ist doch meine Verantwortung und ich entscheide, ob ich etwas schlucken will oder nicht.

Die Behandlung hat wie immer keinen Spaß gemacht. Freude ist etwas anderes. Nach dem Einfärben sagt sie: „Sieht doch sehr gut aus“, übersetzt: ist gar nicht so schlimm. Grmpf. Und, weil es sich zuerst wie eine Niederlage anfühlte, hatte ich auch das Gefühl, dass sie sogar noch schlimmer war als sonst. Im Stuhl liegend bin ich all die Möglichkeiten durchgegangen, was passiert wäre, wenn ich konsequent bei einem NEIN geblieben wäre. Sie wären allesamt gut für mich gewesen. Die Gedanken, die schlimmes behaupten, sind nur Gedanken. Nein-Sagen gilt als unfein. Ein Nein zu dir ist aber oft ein Ja zu mir!

Schnell wurde mir bewusst, es lohnt sich nicht, dass ich mir jetzt böse bin. Ich habe einfach keinen Bock mir selbst böse zu sein, mich selbst fertig zu machen, weil es sich nicht gut anfühlt. Es ist keine Niederlage. Es ist nur ein Fehler und Fehler machen ist gut. Sehr gut sogar. In allem war ich diesmal hellwach, beobachtend. Eine ganz wichtige Erfahrung. Früher gab ich irgendeinem eingepflanzten Bullshit-Glaubenssatz viel zu viel Macht. Ich verlor mich in Schuldzuweisungen. Im Außen sollte sich etwas ändern oder ich mich. Ich sollte mich doch besser anpassen können, mitspielen. Und es war nur ein kleines Beispiel mit einer recht harmlosen Mundspüllösung. Das war ein harmloser Testlauf mit einer ganz wichtigen Lehre. „Nein heißt Nein“ ist nicht nur so ein Spruch, den man daher sagt. Wer weiß, was noch alles kommt, was für wichtige NEIN´s! noch folgen werden im Leben?! Wenn ich es nicht tue, wer dann? Anscheinend hat sich dort in meinem System etwas angesammelt, dass jetzt geheilt werden darf. Da ich forschte, weiß ich, das dieser Missbrauch seit Generationen stattfindet. Ich werde missbraucht, ich missbrauche. Und es wird verdammt viel Druck ausgeübt, das kann ich dir sagen. All diese innerlichen Unterweisungen haben mich auch schützen wollen. Wir sind vollgekackt mit Konditionierungen, die, wenn sie unbewusst wirken, uns das Leben zur Hölle machen, versklaven. Wir haben uns meilenweit von uns selbst entfernt. So oft gaben wir unsere Zustimmung, schlossen Verträge, stimmten zu. Wir waren leichte Beute, gutgläubig, naiv. Warte mal, was noch alles so raus kommt……

Ich werde gefragt, immer! und ich gebe mein Einverständnis oder nicht. Ich bin verantwortlich und ich trage die Konsequenzen. Nur ich. Niemand sonst. Ich bin mir selbst am Wichtigsten, heilig. Ich bin nicht dieser Körper, da ist noch viel mehr. Es gibt da draußen keinen Retter. Ich rette mich selbst. Es ist egal, was die anderen denken und sagen. Sie dürfen, können mich fragen und ich darf zu meinen Gunsten entscheiden.

„Zahnstein folgt auf einen Abwertungskonflikt: nicht zubeißen, sich nicht wehren, widersetzen oder durchsetzen können. Sich durch eine Situation nicht durchbeißen können. Es verstärkt sich daraufhin die Zahnsubstanz, damit man in Zukunft besser zubeißen kann.“ aus „Die seelischen Ursachen der Krankheiten“, Björn Eybl

Seit dem ich meine Wahrheit sage, die Worte nicht mehr zurückhalte, ist der Bruxismus auch so gut wie abgeklungen. All das Geld für Schiene und Behandlungen hätte ich mir/ man sich sparen können. Aber, daran wird nicht verdient.

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